Rede an einen Knopf
Du lächelst, mein Bester, und wie ich leider sehe, schaust du bereits ziemlich abgenutzt und verbraucht aus.
Lieber ! Vortrefflicher ! Dich sollten Leute als Muster nehmen, die aus lauter Sucht nach immerwiederkehrendem
Beifall krank sind, die vor Gram, Unlust und Gekränktheit nur leicht hinsinken und sterben möchten, wenn sie nicht von
Jedermanns Gewogenheit und hoher Meinung immerfort gehätschelt, gefächelt und liebkost werden.
Du, du vermagst zu leben , ohne daß sich irgendeiner im entferntesten erinnert, daß du überhaupt vorhanden bist.
Du bist glücklich; denn die Bescheidenheit beglückt sich selber, und die Treue fühlt sich in sich selbst wohl.
Daß du dir so nichts aus dir selber machst, ganz nur Lebensaufgabe bist oder wenigstens zu sein scheinst, gänzlich
an stille Pflichterfüllung dich hingegeben fühlst, die man eine herrlich duftende Rose nennen kann, deren Schönheit
wohl fast ihr selber ein Rätsel ist, deren Duft ohne mindeste Absicht duftet, weil er ihr Schicksal ist - -
Daß du, wie gesagt, das bist, was du bist und so bist, wie du bist, bezaubert mich, rührt, ergreift und bewegt mich und
macht mich denken, daß es auf der Welt, die an unerfreulichen Erscheinungen reich genug ist, hier und da Dinge gibt,
die den, der sie sieht, glücklich, fröhlich und heiter machen." Aus: Robert Walser "Poetenleben"