Mesmer
Ein merkwürdiger Zufall: Mesmer der Animalische Magnetismus, und Mesmer Gustav, der Ikarus vom Lautertal. Mönch will er werden, hälts dann aber doch nicht aus in Beuron, und wird Anno 1929 nach einer in religiösem Überschwang gehaltenen Predigt aus einer Kirche gezerrt. Damals wurde er eingewiesen, heute ist er Kult, eine Ausstellung im Ulmer Stadthaus, Flugradwettbewerb.
„Spazieren Eure Heiligkeit nur zu“ ...
so hat Hölderlin seine Gäste in das Zimmer mit dem Klavier geführt, wenn er bereit war, auf deren Wunsch einzugehen, Ihnen etwas darauf vorzuspielen.
Eine Einladung ganz besonderer Art, die einem so wiederfährt, auch noch heute, wenn man Hölderlin meint lesen zu wollen, auf höheren Befehl hin wird man zu ihm geführt, so wie er auf diesen hin blieb, in Tübingen all die Jahre lang.
Eine Aufklärung der höheren Art wollte er befördern, verweisen auf ein Durchschimmern von etwas da draußen, in seiner geliebten Natur, etwas das uns gleicht. Aufklären über und durch einen neuen Mythos, der die Dinge so zu ordnen in der Lage ist, dass wie von Geisterhand, wie von selbst ein Reim für den entsteht, der sich diesem Schimmer öffnen kann.
Mit „Augenschule Blau“ hat später Heidegger daran angeknüpft, und Nietzsches „auf die Schiffe“ hat ein ähnliches Ziel -
Neu-Sehland.
Folgt man also der Aufforderung und folgt man Hölderlin zu dem Klavier in der Ecke des Raumes, Zeit zeitigt sich dann und der Klang der Dinge berauscht die Wälder an den Hängen der ripäischen Berge.
Aber Vorsicht, dahinter lauern die Hinterweltler:
„Man verläuft sich leicht zu Ihnen, Bruder Buonarotti.“
–„Sie behaupten so, pallaksch, wari, wuri, ja es wär so – Eure Majestät, spazieren Eure Heiligkeit nur zu!“
Verurteilt zu einer Freiheit die uns im Grunde überfordert
Mir kommt es wenigstens so vor, dass wir dieser Freiheit nicht so ohne weiteres gewachsen sind. Schelling schreibt einmal, niemand wird frei geboren. Erst wenn man erkennt, dass man gegenüber der Welt bzw. den einzelnen sogenannten Fakten immer einen Interpretationsspielraum besitzt, kann man frei sein. In der Regel haben wir dieses Verständnis nicht, sondern wir reagieren standardisiert auf Reize/Ereignisse und erleben diese als "zwingend".
Das man selbst sich entwirft, darauf muss man ja erst einmal kommen.
Und ich denke, viele kommen ihr ganzes Leben lang nicht soweit und sind insofern dann auch nicht frei - dabei ist diese Unfreiheit zwar nur eingebildet, aber deshalb für den Betroffenen ebenso zwingend wie echte Determination.