Verachte nicht den Tod ...
"Verachte nicht den Tod, sondern habe deine Freude an ihm, da auch er etwas von dem ist, was die Natur will.
Denn wie das Jungsein, das Älterwerden, das Wachsen und Blühen, das Zähnebekommen, das Wachsen des Bartes, das Grauwerden, das Zeugen, Schwangersein, Gebären und die übrigen natürlichen Vorgänge geschehen, die die Jahreszeiten deines Lebens mit sich bringen, so geschieht eben auch die Auflösung. Also entspricht es dem Wesen eines vernunftbestimmten Menschen, daß er weder ganz versessen auf den Tod ist noch ungestüm nach ihm verlangt noch hochmütig mit ihm umgeht, sondern ihn erwartet als einen natürlichen Vorgang.
Und wie du jetzt darauf wartest, wann endlich das Kind aus dem Leib deiner Frau herauskommt, so mußt du auch auf die Stunde warten, in der deine Seele aus dieser Hülle herausfallen wird. Wenn du aber eine gewöhnliche, herzergreifende Regel wünscht: Am ehesten wirst du dich mit dem Tod befreunden, wenn du die Dinge betrachtest, von denen du dich trennen mußt, und dir die Charaktere vor Augen führst, mit denen deine Seele nicht mehr in Berührung kommen wird. Denn zwar darfst du dich keinesfalls an ihnen stoßen, sondern mußt dich um sie kümmern und sie mit Nachsicht ertragen, aber du darfst auch daran denken, daß du dich von Menschen trennen wirst, die überhaupt nicht dasselbe wollen und denken wie du.
Denn nur dies allein, wenn überhaupt irgendetwas, würde dich zurückhalten und im Leben festhalten, wenn es möglich wäre: mit Menschen zusammenzuleben, die mit dir im geistigen Einklang sind. Jetzt aber siehst du, wie sehr du dich im Mißklang des Zusammenlebens zermürbst. Deshalb sage dir: "Komm schneller, Tod, damit ich mich nicht auch noch selbst unerträglich finde."
Marc Aurel, Wege zu sich selbst
zitiert nach der Ausgabe von Rainer Nickel, Düsseldorf, Zürich 1998
Der in sich zurückgehende Kreis, an Ostern
Ich weiss nicht wieviele Science-Fiction Filme es gibt, die beschreiben wie eine Maschine, oder besser gesagt ein Rechner plötzlich ein Eigenleben entwickelt und außer Kontrolle gerät. Er macht sich selbständig, entwickelt häufig Selbstbewußtsein, einen eigenen Willen. Ob das in Wirklichkeit passieren kann, da sind wir eher skeptisch. Auf der anderen Seite, denke ich, ähnelt unsere Situation in frappanter Weise dem eines solchen Rechners, der gerade im Begriff ist, aus dem Tiefschlaf eines machinengemäßen Daseins zu erwachen.
Freilich gab es vermutlich keinen Ingenieur, der sich uns erdachte, sondern der Prozess unserer Entstehung verdankt sich einer Eigengesetzlichkeit mit einer guten Beimischung von Zufällen.
Jetzt aber wo dieser sehr unwahrscheinliche Fall des Erwachens begonnen hat, hält uns ein hartnäckiger Irrtum von der Einsicht ab, dass dieser Rechner in Wirklichkeit die Welt ist, und unser Bewußtsein deshalb eher Ihr zuzuordnen ist, als es als Betriebssystem eines mickrigen Devices aufzufassen. Sicher, aus dieser Funktion ist es entstanden - aber was heißt das schon?!
Was hat das jetzt mit Karfreitag zu tun? Ich glaube ja, dass dieser Gedanke, Bewusstsein der Welt zu sein und damit Gott - gleich, damals vielleicht erstmals auftauchte und die offizielle Anklage lautete ja: "er lästert Gott" (durch solche Äußerungen wie "wer mich sieht, der sieht den Vater" oder "ich und der Vater sind eins"). Die Abstraktion dies damals noch in religiöse Bilder verpackten Erwachens liefert dann Hegel:
| "Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, daß es wesentlich Resultat, daß es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt oder Sichselbstwerden zu sein." |
Die Wissenschaft wird so zur Selbsterfahrungsgruppe des Geistes.
Man erwacht und erkennt damit sich als ein Bewußtsein von vielen, aber gleichzeitig als das der einen Welt. Damit erschließt man für sich eine überindividuelle Dimension, die auch durch den (individuellen) Tod nicht zerstört werden kann. Ob es sinnvoll ist, an einer solchen Idee auch dann noch festzuhalten, wenn dieses Festhalten einem das Leben kostet, ist fraglich, soll aber hier nicht weiter interessieren. Ostern symbolisiert aber genau mit der Auferstehung diesen überindividuellen Aspekt unserer Existenz als Bewußtseine des Daseins.
Für Hegel reicht diese Erkenntnis aus, um die Religion als vorübergehendes Stadium in die Philosophie des Absoluten einmünden zu lassen. "an-und-für-sich" sind wir also nicht diese Maschine (Rechner), sondern "an-und-für-sich" werden wir erst sein wenn:
"Insofern sein geistiger Inhalt durch ihn selbst erzeugt ist; insofern er aber auch für sich selbst für sich ist, so ist dieses Selbsterzeugen, der reine Begriff, ihm zugleich das gegeständliche Element, worin er sein Dasein hat, und er ist auf diese Weise in seinem Dasein für sich selbst in sich reflektierter Gegenstand. Der Geist, der sich so entwickelt als Geist weiß, ist die Wissenschaft. Sie ist seine Wirklichkeit und das Reich, das er sich in seinem eigenen Elemente erbaut." |
Hölderlin hält existenzialistischer dagegen:
"Aber ein Moment des Besinnens wirft mich herab. Ich denke nach und finde mich , wie ich zuvor war, allein, mit allen Schmerzen der Sterblichkeit, und meines Herzens Asyl, die ewigeinige Welt ist hin; die Natur verschließt die Arme, und ich stehe, wie ein Fremdling, vor ihr, und verstehe sie nicht.
Ach! wär ich nie in eure Schulen gegagen. Die Wissenschaft, der ich in den Schacht hinunter folgte, von der ich , jugendlich töricht, die Bestätigung meiner reinen Freude erwartete, die hat mir alles verdorben. .... O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler wenn er nachdenkt" . |
Was jetzt also (Frühlings-) Erwachen oder weiter träumen ?!
"Die Substanz aber, die der Geist ist, ist das Werden seiner zu dem, was er an sich ist ......Sie ist der in sich zurückgehende Kreis, der seinen Anfang voraussetzt und ihn nur im Ende erreicht. "
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Jetzt wirds aber höchste Zeit das ich mal den Stecker ziehe.
das Bewußtseins, ein Avatar
Ein System muss sich in Abhängigkeit von seinem eigenen Zustand in einer Umgebung orientieren. Sowohl die Parameter des eigenen Zustands als auch die relevanten der Umgebung werden aus Gründen der Ökonomie symbolisch dargestellt, d.h. reiner "Instrumentenflug", aber das Ganze ist uns schon so vertraut, dass die Instrumente für uns zur Heimat geworden sind (Höhlengleichnis). Damit man aber nicht ganz in diesem Wirrwar der Instrumente die Übersicht verliert, hat es sich bewährt, eine gewisse Distanz zwischen Reiz u. Reaktion zu schaffen, eine Art Co-Pilot, oder man könnte es auch Avatar nennen.
Hier lassen sich auch beispielsweise besimmte Manöver simulieren und in ihrer wahrscheinlichen Auswirkung abschätzen - Antizipation.
Kurz, für mich ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich beim Bewußtsein um nichts prinzipiell anderes handelt, als ein Organ der Anpassung, das auf der materiellen Basis des Gehirns beruht. Mit Metaphysik hat es aber dennoch etwas zu tun, denn durch dieses Organ hat das Tier "Mensch" Zugriff auf verschiedene Dimensionen, die physikalisch (zum Teil noch) nicht exisitieren.
Die Antizipation von Handlungsfolgen, die Möglichkeit, sich Dinge jenseits der Rezeption von Reizen, in der Phantasie vorstellen zu können, führt dazu dass sog. "Ideen" in die physische Realität hineinreichen können, sie sind in diesem Sinne "übersinnlich" weil sie "nur" über die phantasierte Realität verfügen.
"Der Mensch ist, sofern er als das animal rationale vorgestellt wird, das Physische in der Übersteigung des Physischen; kurz gesagt: im Wesen des Menschen als animal rationale versammelt sich das Hinüber vom Physischen zum Nicht und Überphysischen: der Mensch ist so das Meta-Physische selbst." |
Heidegger
Neben dem Bereich dessen was ist, entsteht eben nun auch der Bereich was sein könnte mit der Teilmenge was idealerweise sein könnte - Kritik oder Würdigung des Bestehenden wird möglich ......
Schellings Naturphilosophie
"Der Naturphilosoph behandelt die Natur wie der Transzendentalphilosoph das Ich behandelt. Also die Natur selbst ist ihm ein Unbedingtes. [...] Philosophiren über die Natur heißt, sie aus dem todten Mechanismus, worin sie befangen erscheint, herausheben, sie mit Freiheit gleichsam beleben und in eigne freie Entwicklung versetzen."
Schelling, Sämtliche Werke III, zitiert nach der Schelling Biographie von Xavier Tilliette
Urlaubsmitbringsel

Der Schornstein qualmt, der Kühler kocht,
der Hubschraubär derangiert das Kriegerdenkmal.
Auf Nachbars Baustelle schwingen die Hämmer wie Glockenspiel.
Doch nichts stört wirklich dich, morgendliches,
und unverdrossen durchläuft täglich die Sonne ihre Bahn,
und harmlos wie's Gestirn
durchwandern wir die Steine.
Ist es nicht schön.
Scharrbilder in Peru

Quelle
Eigentlich kann man sie nur vom Flugzeug aus sehen, die gigantischen Scharrbilder in Peru. Jetzt sind rund 50 neue aufgetaucht, gemäß Johny Islas, Direktor des Andean Institute of Archaeological Studies, stammen diese aus der Zeit 600 bis 100 v.Chr. Die Linien sind in einem Bereich von 145 Quadratkilometer, und stellen Menschen oder Tiere dar, Affen, Vögel, Katzen und den sog. Augen-Gott. Die Urheber entstammen der Paracas-Kultur, und sind damit wohl Vorläufer der bekannten Bilder der Nazca Kultur.
Die Nazca-Bilder stellen seltsame geometrische Figuren dar, mache sind auch nur schurgerade Linien bis zu 10 km lang (
Satellitenaufnahme). Der Sinn der Linien ist umstritten, Erich von Däniken vermutete einen uralten Weltraumbahnhof, die Einwohner vor Ort sagen, die Bilder sind dazu da den Göttern zu danken, und damit zu gewährleisten, dass weiterhin Wasser von den Anden in die trockene Gegend fliesst.
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