Gottes Wille, umgotteswillen

Wahrscheinlich ist es das Gescheiteste die Floskel "Gott" weg zu lassen, weil sie heut eher irritiert, als dass sie einem die Dimension erschließt, um die es geht. Im Grunde geht es um das Verhältniss des Seins zu sich selbst, das wir in uns zu realisieren haben, wir müssen uns zu unserem Sein irgendwie verhalten (viele realisieren gar nicht dass es da einen Spielraum gibt) und das ist die Stelle wo wir unser biologische Natur (die allerdings auch in der Form eine Vorstellung von uns ist), transzendieren können, wenn wir dies wollen.

D.h. wir sind frei uns irgendwie zu dem zu stellen was uns vermeintlich widerfährt und merken dabei, dass das was uns widerfährt erst durch uns und unsere Haltung zu dem wird, was es dann für uns ist.
24 Feb '05 17:41 | | kommentieren

Vom goldnen Floß

Und schneeiger das Weiß
aus Deinem Auge fiel,
erzähl mir doch
vom goldnen Floß,
und über weite Täler spannt
sich groß
das lichte Spiel verstohlener
Gedanken.

Verwisch die Spur,
verrat Dich nicht.
Tanz nur zur Nacht,
Gib acht, gib acht!
Erlauscht Du auch im innern Ring
der Rätselworte tiefer Sinn,
den Schlüsselreim steck tief ins Schloss,
schon dreht es sich,
und Dich um sich,
hebt alle Dinge wunderlich
heraus aus diesem trüben Ringen.
20 Feb '05 09:19 | | kommentieren

Giordano Bruno zum Todestag

4 Jahrzehnte nach dem Kopernikus die Erde aus dem Zentrum des Weltbildes gerückt hat, und statt dessen die Sonne in den Mittelpunkt stellt, veröffentlicht Bruno seine Kosmologie, und das All begreift er "auf unendliche Weise unendlich". Damit ist er einer der ersten der Neuzeit, der die Erde und damit den Menschen als nur eines unter vielen unzähligen Planeten und deren Lebewesen relativiert. Gleichzeitig gelingt es ihm, Gott in diesem Weltbild nicht eine ebensolche Randposition einzuräumen, im Gegenteil: Erst in einem unendlichen All, das nicht mehr hierarchisch geordnet ist, ist jeder Punkt gleich unmittelbar zu Gott. Gott wohnt jedem Lebewesen auf jedem Planeten inne. Weder müssen wir die Gottheit an einem anderen Ort suchen, noch müssen andere die Gottheit erst durch uns kennenlernen:

Brunos Behauptung von der Unendlichkeit des Kosmos in Raum und Zeit sowie der Vielzahl der Welten kann von der Kirche nicht akzeptiert werden, und da er nicht abschwört kommt es letzendlich zum Prozeß. Das Urteil kommentiert er: "Mit größerer Furcht verkündet ihr vielleicht das Urteil gegen mich, als ich es entgegen nehme." Man bindet in an den Brandpfahl, er stirbt am 17. Februar vor genau 405 Jahren frühmorgens in den Flammen.

Lesenswerter Artikel über Giordano Bruno: http://www.wienerzeitung.at/frameless/lexikon.htm?ID=7821
17 Feb '05 11:41 | | kommentieren

Hölderlin an Susette Gontard

Am Kreuzweg wohnt und dicht am Abgrund
die Halbheit und gibt uns Rätsel auf.
Wer aber muß fallen? Wir oder sie?
Da kann unser eigenes Wort
uns unten zerschmettern oder uns hier ergänzen
Kein leicht zu sagendes.
Nämlich nur unser Leben ist dieses Wortes Mund.
Wo er sich auftut kann seiner Stimme Strenge
gütiger sein als jene lautlose Milde
die liebevoll dich dich dich und dich
und mich und uns beide vorüberführen will
an der eigenen Antwort.
Nah ist und leicht zu lieben
die Lüge und trägt einen bunten Rock aus vielen Farben.
An uns aber liegt es daß wir nicht verlieren
die Farbe unserer Würde
daß wir nicht aufgeben
das Unteilbare: unser eines angeborenes Recht.
Nämlich der es nicht hütet
der büßt es ein
denn leicht färbt auf uns ab
auf dich sogar und auf mich
bis in die Herzen die Rostschicht
die unsere Schwächen verdeckt
die zähe falsche Haut aus Staub
und aus welken Blättern des Vorsichhintuns

Ein Wort aber könnte sein
das risse sie weg das führte
aus jedem Verstohlensein
deine Wahrheit zurück in ihr Eigentum
das immer noch du bist.
Sonst brächte kein Hauch mehr
kein Wind von den Gipfeln der Zeit
dir Linderung
und keine Ahnung des Seins
von dem was sein könnte
schenkte die Wahrheit dir wieder:
Nur sie kann du sein.
Denn das Meiste ertrotzt sich der Mensch
nur mit Schmerzen.
Auch du bestehst
nicht quallos im Gegenwind deiner Zeit

Doch wenn du nicht mehr du sein wolltest
wenn du nicht länger stündest
zu dir die du bist
und auch nicht länger zu deiner Freiheit
und nicht mehr zu denen die in dir wohnen
den Richtungen deines eigenen Bildes...
was dann bliebe von dir
und von einem der dich kennt und dich liebt ?

Erich Fried
13 Feb '05 14:05 | | 1 Kommentar

"Selig sind die arm sind im Geiste"

Die Wahrheit ist keine die man mit Schläue besser versteht, es ist eher eine Haltung und zu der kann auch ein sog. Minderbemittelter finden, vielleicht sogar wesentlich leichter.
13 Feb '05 09:46 | | kommentieren

Neulich im Philo-Forum

"Die Wirklichkeit ist wie ein Messer ohne Klinge, an dem der Griff fehlt. (von Paul Watzlawick)"

"das gab es mal bei ebay zu kaufen, für 6€"
09 Feb '05 18:04 | |

Glücksrezept

Es gibt nunmal nichts als unsere Vorstellung von der Welt, alles andere sind logische Konstruktionen, die wir aus unseren Vorstellungen ableiten. Wenn Du diese Vorstellungen von der Welt weg läst, dann bist Du nicht bei der Wahrheit, sondern beim Nichts, für den einen fühlt sich das gut an, den anderen ängstigt es eher.

Das "Ich" existiert als Vorstellung, neben den vielen anderen Vorstellungen. Manchmal macht das "Ich" Sinn und manchmal ist es sinnvoller das "Ich" loszulassen, was aber auch "nur" eine Vorstellung ist.

Es ist sozusagen unser Seinsmodus und aus meiner Sicht nicht hintergehbar, was aber auch gar nicht nötig ist, wenn man das "nur" einfach streicht und den Reichtum dieses Seinsmodus genießt, dann kann man sich mit und/oder ohne "Ich" sein lassen, wenn man es denn kann ...

Es gibt doch diesen Spruch "er starb alt und lebenssatt", das ist für mich so die Idealvorstellung, man hat sein Leben gelebt und kann jetzt auch loslassen. Ich bin mir da nicht sicher, aber ich meine, man soll das Leben nicht abwerten, sondern dieses Wunder wertschätzen und lieben, genießen und nutzen, es ist ein Geschenk.

Sicher beinhaltet dieses Geschenk auch unter Umständen viel Negatives und wenn man Pech hat zuviel. Und der Tod ist natürlich ein Hammer, aber als Glücksrezept fahre ich zweigleisig, weil ich denke wir sind beides, einmal das Naturwesen mit "Ich" und allem Irdischem drumm und dran und zum anderen "reines" Bewußtsein, das seine natürliche Herkunft transzendieren kann und sich als das Bewußtsein des Ganzen verstehen kann.

Dazu Hegel:
02 Feb '05 21:30 | | kommentieren
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