Lichtung

Schelling, Heidegger, Sartre,
Lichtung.
Das heißt Hinaustreten aus dem dichten Eichenwald, aus dem Unterholz der gewohnten Gedanken,
und viel eigenere Gedanken denken als die gewordenen, alten,
abhängigen, die sich aufdrängten wie unliebsame Gesellschaft zuweilen.
Noch einmal neu das Land vermessen, und Träume oben
Figuren, Gesichter, Gelächter, bunte Kostüme,
dichte Handlung, edler Mut, verwegene Tat.
Der Stoff dazu fein gesponnen,
auf dem Spinnrad Zeit,
Izt der Faden aus
Geist

Wir wollen einen Mords-Schluss!
27 Nov '04 20:24 | | 1 Kommentar

Der Mensch ist ein natürliches Phänomen

Die Natur oder der Prozess der Evolution, das sollte die Überschrift ja ausdrücken, ist genauso für die Städte, für die Wissenschaft usw. eben für alles verantwortlich. Es macht einfach keinen Sinn den Menschen aus diesem Zusammenhang herauszulösen.

So ist ein Ameisenhaufen ein natürliches Phänomen und ein Korallenriff usw. und eben auch ein Kugellager und ein XXL Schwein aus der Züchtung von Bauer sowieso.

Nur eben dass in den letzten beiden Fällen ein Verständnis und eine bewußte Reflexion mit in den Prozess eingeflossen ist. Und da der Anteil solcher Produkte des Prozesses (die eine Reflexion auf den Prozess notwendigerweise beinhalten) ständig zunimmt, hat sich der Prozess definitiv durch ein gewisses Maß an Selbsterkenntnis verändert.

Wenn nun der Prozess nicht von der Stelle kommt, obwohl es Autos gibt, so ist dieses Beispiel leider nicht geeignet irgend etwas an meiner Argumentation zu entkräften.

Dieser Prozess oder die Natur hat eine lange Wegstrecke hinter sich, bis diese Zeilen hier möglich wurden. Nein, ich behaupte nicht dass es da dieses Ziel gab und dass sie darauf hingearbeitet hat, aber es gibt nunmal sehr viel was vorher da sein muss, um diese Art von Struktur hervorbringen zu können. Und ein Prozess der eine Struktur hervorbringt, die in der Lage ist auf ihren Ursprung zu reflektieren, hat es meiner Meinung nach "verdient", dass diese Struktur sich dabei auf das Verhältniss besinnt, das zwischen ihr und dem Prozess besteht.

Das bedeutet nicht das wir deshalb nun dem Prozess zu huldigen hätten, abgesehen von einem gewissen Staunen, dass soetwas überhaupt möglich ist, die ganze Litanei soll lediglich unseren Horizont etwas erweitern und eine sinnvollere Sicht der Welt ermöglichen.
19 Nov '04 12:23 | | 1 Kommentar

Die Westküsten

Die Westküsten traten eines Tages zusammen
und erklärten, sie seien keine Westküsten,
weder Ostküsten noch Westküsten-
»daß sie nicht wüßten!«

Sie wollten wieder ihre Freiheit haben
und für immer das Joch des Namens abschütteln,
womit eine Horde von Menschenbütteln
sich angemaßt habe, sie zu begaben.

Doch wie sich befreien, wie sich erretten
aus diesen widerwärtigen Ketten?
»Ihr Westküsten«, fing eine an zu spotten,
»gedenkt ihr den Menschen etwan auszurotten?«

»Und wenn schon!« rief eine andre schrill.
»Wenn ich seine Magd nicht mehr heißen will?« -
»Dann blieben aber immer noch die Atlanten«, -
meinte eine von den asiatischen Tanten.

Schließlich, wie immer in solchen Fällen,
tat man eine Resolution aufstellen.
Fünfhundert Tintenfische wurden aufgetrieben,
und mit ihnen wurde folgendes geschrieben:

Wir Westküsten erklären hiermit einstimmig,
daß es uns nicht gibt, und zeichnen hochachtungsvoll:
Die vereinigten Westküsten der Erde.-
Und nun wollte man, daß dies verbreitet werde.

Sie riefen den Walfisch, doch er tats nicht achten;
sie riefen die Möwen, doch die Möwen lachten;
sie riefen die Wolke, doch die Wolke vernahm nicht;
sie riefen ich weiß nicht was, doch ich weiß nicht was kam nicht.

»Ja, wieso denn, wieso?« schrie die Küste von Ecuador:
»Wärst du etwa kein Walfisch, du grober Tor?«
»Sehr richtig«, sagte der Walfisch mit vollkommener Ruh:
»Dein Denken, liebe Küste, dein Denken macht mich erst dazu.«

Da wars den Küsten, als sähn sie sich im Spiegel:
ganz seltsam erschien ihnen plötzlich Ihr Gewiegel.
Still schwammen sie heim, eine jede nach ihrem Land.
Und die Resolution, die blieb unversandt.

Christian Morgenstern
07 Nov '04 21:09 | | kommentieren

Ich bin.

Für die meisten Menschen ist das Leben das Wirklichste was sie kennen und sie haben recht damit. Das Leben ist nur eben bestimmt durch unserer Vorstellungen über das Leben, denn sie strukturieren das, was wir erleben zu dem, wie wir es erleben. Natürlich kann es da auch mal nützlich sein die Vorstellung zu entwickeln das Leben sei ein Traum. Aber das ist auch nur ein Konzept unter vielen, die gleichwertig nebeneinander existieren.

Es gibt nicht die Wahrheit über das Leben sondern immer nur unsere Entscheidung über unsere Sichtweise, und ich halte es für eine sinnvolle Entscheidung, das Leben für real zu betrachten und als eine große Sache oder Chance (auch ohne Sechser im Lotto).

Der entscheidende Punkt ist dass man sich für eine Sicht entscheidet und damit eine Wahl trifft und so die eigene Existenz anfängt, selbst zu definieren.

Natürlich kann man sich auch dazu entscheiden alles als determiniert anzusehen, wems hilft ...
04 Nov '04 16:18 | | kommentieren
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